Easy und schnell: So baust du eine Kugelbahn in nur einer Stunde!

Heute war einer dieser seltenen Tage, an denen mich das 14-monatige Knäuel neben mir ihm Bett damit beschenkt hat, einfach mal so bis halb zehn weiterzurüsseln – und was macht man als Ergotherapeutin und Mama mit der so unverhofft gewonnenen Zeit?
Genau, man überlegt sich ab sieben Uhr früh, wie man aus einer Chipsdose, einem Kleiderbügel und einer leeren Küchenrolle eine Kugelbahn für das kleine Energiebündel bastelt, und setzt das Projekt mit Heißklebepistole, Zange und Stanleymesser bewaffnet gleich um.

Zur Nachahmung empfohlen, denn watscheneinfach und je nach Ausmaß eures Dekobedürfnisses und eures Wunsches nach Perfektion in 1-2 Stunden fertig:

1. Den Boden von der Chipsdose schneiden.
2. Chipsdose halbieren.
3. Nach belieben dekorieren.
4. Den Kleiderbügel zurechtbiegen – überall, wo die Kugelbahn später aufliegen soll, kleine Mulden nach innen biegen, damit sie nicht nach unten durchrutscht.
5. Den Deckel und Boden der Chipsdose als Standhilfe für das Gerüst verwenden – dafür den Draht mit der Heißklebepistole darauf festkleben.
6. Die Auflageflächen von Kugelbahn und Draht ebenfalls festkleben, die Klebestellen und ev. freiligende Drahtenden mit Filzblumen aufhübschen bzw. sichern.
7. Aus der Küchenrolle eine Barriere gegen das Rausfallen der Kugel und den „Ausgang“ der Kugelbahn bauen.

FERTIG! Und so sieht das Ganze bei uns aus:

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Warum Schaukeln die Konzentration deines Kindes fördert

Wer schon mal in einen Ergotherapieraum für Kinder geschaut hat, der weiß: wir ErgotherapeutInnen stehen auf Schaukeln.
Die große Plattformschaukel wird zum Segelschiff und fordert die Balancefähigkeiten des kleinen Kapitäns, der sein Boot tapfer durch den Sturm navigiert. Am Bauch liegend in der Hängematte schießt die Astronautin mit ihrer Rakete ins All hinauf und kommt mit kräftigen Rücken- und Nackenmuskeln wieder zurück auf die Erde. Am Trapez hängend schwingt Tarzan über wilde Bäche und braucht eine Menge Bauchmuskeln, um die Beine hoch genug und sich nicht die Zehen von Piranhas anknabbern zu lassen. Es werden Pferde geritten (Reifenschaukel), Motorräder gefahren (Zylinderschaukel) und weiß der Kuckuck was einem noch so alles an einem langen Therapietag einfällt.

Schaukeln sind also eine wunderbare Möglichkeit, wie man verschiedenste sensomotorische Fähigkeiten spielerisch trainieren kann. Wie aber fördert das Schaukeln die Konzentration?

Wie ich vor einiger Zeit schon einmal erklärt habe, ist es manchmal nicht ganz leicht, auf den ersten Blick zu erkennen, was eigentlich im Hirn einer Ergotherapeutin vorgeht – und auch im Falle eines Kindes, das aufgrund einer Konzentrationsschwäche zu mir kommt, erschließt sich den erstaunten Eltern unter Umständen nicht gleich, warum ich häufig Schaukeln in die Therapiestunde einbaue.

Nun, wer sich jetzt eine einfache Erklärung wünscht, wird leider enttäuscht werden – dazu ist das menschliche Gehirn zu komplex. An dieser Stelle verzichte ich aber auf komplizierte neurophysiologische Erläuterungen. Nur soviel sei gesagt: die Aufmerksamkeitssteuerung – sprich das, was landläufig als Konzentration bezeichnet wird – entsteht im selben Hirnareal, in dem auch Gleichgewichtsreize verarbeitet werden. Schaukeln spricht durch die starke Aktivierung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr dieses Hirnareal an, wodurch auch die Konzentrationsleistung beeinflusst werden kann – positiv sowie negativ. Sehr wilde, kreiselnde Schaukelspiele können zum Beispiel dazu führen, dass ein Kind konfus wird, sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne „seine Mitte verliert“ und „überdreht“ ist, und anschließend eine Weile braucht, um wieder runterzukommen und sich wieder fokussieren zu können.
Sehr geradlinige, rhythmische Schaukelbewegungen hingegen, oft in Kombination mit einem klaren Ziel (wie z.B. einen Ball von der Schaukel aus in einen Korb zu werfen), fördern im Allgemeinen die Aufmerksamkeit. Ebenso Aufgaben, bei denen die Balance herausgefordert wird, z.B. wenn auf der wackeligen Schaukel kniend oder stehend Tücher an der Schaukel befestigt werden müssen.

Seid ihr schon mal auf einer Slackline balanciert oder habt es zumindest versucht? Dann wisst ihr, dass das Gleichgewicht zu halten höchste Konzentration erfordert. Das gilt auch umgekehrt: Konzentration funktioniert um vieles besser mit einem guten Gleichgewicht. Drum: lasst eure Kinder schaukeln, kopfüber hängen, schwingen und balancieren – etwas plakativ ausgedrückt: es macht Spaß und gescheit 😉

AD(H)S – Krankheit oder erfundene Modediagnose?

Zum Thema AD(H)S kursieren ja viele Artikel im Netz. Besonders gerne auf Facebook geteilt werden Beiträge, in denen die Existenz von AD(H)S angezweifelt, die Gabe von Ritalin angeprangert und wahlweise die Eltern/ das Schulsystem/ die Medien/ die Gesellschaft für die angeblichen Symptome des Kindes verantwortlich gemacht werden.

Höchste Zeit also, dass ich auch noch meinen Senf dazu gebe. Darauf hat die Online-Welt sicher nur gewartet 😉

Meine höchstpersönliche Meinung, gestützt durch meine fast 15-jährige berufliche Erfahrung, ist:

  1. Ja. Es gibt Eltern, deren Erziehungsart, allgemeine Umgangsformen, aber auch einfach Persönlichkeit derart beschaffen sind, dass sie die Entstehung von hyperaktivem, unkonzentriertem und impulsivem Verhalten sowie sozio-emotionalen Schwierigkeiten bei ihrem Kind begünstigen. Diagnose: schwieriges soziales Umfeld.
  2. Ja. Unser Schulsystem ist starr, leistungsorientiert und geht trotz vieler engagierter LehrerInnen oft nicht flexibel genug auf die verschiedenen Bedürfnisse der SchülerInnen ein. Z.B. werden regelmäßig Erstklässler wegen Konzentrationsstörungen & Co. überwiesen, obwohl diese eigentlich völlig normal entwickelt sind – aber eben noch nicht ganz so reif sind wie ihre Klassenkollegen. Die Diagnose lautet in dem Fall: muss halt einfach noch ein bisserl älter werden (meistens betrifft das die Jungs…).
  3. Ja. Übermäßiger Medienkonsum und vor allem der Konsum von ungeeigneten Inhalten lässt Kinder weniger real-life-Erfahrungen machen, führt häufig zu Konfliktsituationen in der Familie und macht süchtig nach schneller Bedürfnisbefriedigung und Belohnung, woraus impulsives Verhalten und leichte Ablenkbarkeit folgen können. Diagnose: zuviel Bildschirm, zuwenig Wald.
  4. Ja. Unsere Gesellschaft hat oft Schwierigkeiten mit Kindern, die nicht angepasst und brav mitmachen, sondern anecken, rebellieren und wild sind. Waren Raufereien unter Schulbuben früher noch ganz normal, wird heute der Psychologe gerufen. Beißt ein 3-Jähriger im Sandkasten andere Kinder, muss sofort etwas unternommen werden, obwohl Beißen in dem Alter eigentlich ziemlich normal ist. Diagnose: Ist halt ein Bub. Aber natürlich gibt es auch Mädels, die wild at heart sind und ihr Temperament ausleben.
  5. Und ja: es gibt AD(H)S.

Mir ist es deswegen ein Bedürfnis, das hier so deutlich zu formulieren, da sich in mir immer alles zusammenzieht, wenn ich all die Kommentare lese, in denen von überforderten Eltern die Rede ist, die ihre Kinder nur ruhigstellen wollen, wo Familien gebasht werden, weil sie völlig falsch miteinander umgingen, und die Müttern und Vätern die Fähigkeit absprechen, zu wissen was gut für ihr Kind ist.
Was für ein Schlag ins Gesicht muss das für die Eltern sein, die TATSÄCHLICH ein AD(H)S-Kind zuhause haben? Wo wir nicht mehr von einem lediglich etwas unkonzentrierten Schussel sprechen, sondern wo das volle Programm zuhause abgeht? Die mit ihrem Kind eine Odyssee auf der Suche nach Hilfe hinter sich haben, hohe Kosten von Therapien auf sich nehmen, alles geben und probieren, und sich irgendwann nicht mehr anders zu helfen wissen, als zu medikamentösen Mitteln zu greifen? Die heilfroh sind, dass es diese Möglichkeit gibt, da sie endlich Zugang zu ihrem Kind finden, bzw. dieses Kind viel zufriedener ist, weil es plötzlich selbst Zugang zu seinem eigenen Potential findet?
Nicht bei jedem AD(H)S-Kind zeigen Medikamente die gewünschte Wirkung, auch das muss dazugesagt werden. Aber bei vielen führt die richtige Gabe vom richtigen Medikament zum richtigen Zeitpunkt dazu, dass das Gehirn endlich in einen Zustand der Ordnung und Ruhe versetzt wird. Das „repariert“ das AD(H)S noch lange nicht. Aber es führt im besten Fall dazu, dass Therapie überhaupt erst möglich wird, dass man endlich zu dem Kind durchdringt, und das Kind plötzlich spürt, was eigentlich in ihm steckt. Es tun sich Möglichkeiten auf. Plötzlich kann das Kind mit anderen spielen, es kann an Schulaktivitäten teilnehmen, es kann verschüttete Fähigkeiten ausgraben. Dabei lernt das Hirn, neue Synapsen werden gebildet, und idealerweise kommt es auf Dauer zu einer „Neukalibrierung“, die es zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht, ein medikamentenfreies Leben zu führen.

Kinder, die unter Punkt 1-4 fallen, aber fälschlicherweise mit AD(H)S diagnostiziert werden, werden – abgesehen davon, dass sie stigmatisiert werden – von Medikamenten nicht profitieren. Auch Kinder, die Punkt 5 zuzuordnen sind, kommen oft ohne zurecht. AD(H)S kommt nämlich in den verschiedensten Abstufungen und Kombinationen vor – bei vielen bin ich sogar geneigt zu sagen, der Übergang von Punkt 4 (Temperament) zu Punkt 5 (ADHS) verläuft fließend. Das heißt, bei vielen AD(H)S-Kindern sehe ich das eigentlich nicht als Krankheit, sondern eher als spezielle Persönlichkeitsstruktur. Menschen mit einer AD(H)S-Struktur ticken ein bisserl anders, die Verschaltungen im Gehirn passieren schneller, sodass der Nicht-AD(H)Sler sie oft nicht nachvollziehen kann, und sie schlagen oft ungewöhnliche Wege ein. Aber sie schaffen dies mit verständnis-, liebevoller und vor allem geduldiger Unterstützung häufig auch ohne Medikamente, deren Nebenwirkungen und der oft mühsamen Findung der richtigen Dosierung oder des passenden Präparates.

In manchen Fällen, die glücklicherweise aber selten sind, ist die AD(H)S-Symptomatik aber derart vorherrschend, dass ein normales Leben kaum mehr möglich ist: das Kind leidet (wobei viele AD(H)S-Kinder nicht wirklich unter ihren eigentlichen Symptomen leiden, da sie die selbst oft gar nicht als schlimm bewerten, sie leiden jedoch unter der Art, wie ihr Umfeld negativ auf sie reagiert), die Familie ist enorm belastet, die Schule macht Stress, die anderen Kinder reagieren abwehrend, keine Therapien schlagen nachhaltig an. Und dann kommt es natürlich auch leicht zu einer negativen Dynamik, und plötzlich kommen die Familien in einen Strudel, wo jeder seine festgefahrene Rolle einnimmt, und zusätzlich zum AD(H)S noch andere erschwerende Faktoren hinzukommen.

Ich breche also hiermit eine Lanze für all die betroffenen Eltern: ihr leistet Unglaubliches, und jeder, der euch einzureden versucht, AD(H)S existiere nicht, hat einfach noch nie ein „echtes“ AD(H)S-Kind kennen gelernt.

Simpler Ergo-Hack: So wird ein Tennisball zum Feinmotoriktrainer

Ihr wisst: ich liebe simple Therapiemittel und Spielsachen. Einer meiner Favoriten ist ein einfacher Tennisball. Abgesehen von seiner ursprünglichen Funktion als Ball, braucht ihr nämlich nur ein Stanleymesser, einen Filzstift und eine halbe Minute Zeit, und schon habt ihr quasi einen Packman –  in analog.

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Und das Schöne an analogen Dingen ist: man kann wunderbar sensomotorische Fertigkeiten damit trainieren. Um den Tennisball-Packman mit Bohnen, Murmeln, Seidentüchern oder Papierkügelchen zu füttern, braucht man ganz ordentlich Kraft in der Hand und den Fingern, um sein Maul zu öffnen. Die fütternde Hand trainiert den Spitzgriff. Noch komplexer wird die Anforderung, wenn mehrere Murmeln in der Hand gehalten werden, die einzeln der Reihe nach zwischen Daumen und Zeigefinger nach vorne und anschließend in das Maul befördert werden.
Hält eine Hand den Ball und die andere füttert, so lernen beide Hände effektiv zusammenzuarbeiten. Das Kind spürt, welche Hand eher dazu prädestiniert ist zu füttern (Arbeitshand), und welche eher die Haltefunktion übernimmt (Haltehand). So wird auch die Entwicklung der Seitendominanz bzw. Händigkeit unterstützt.
Zusätzlich erfordert es ein gewisses räumliches Planungsvermögen und eine gute Körperwahrnehmung, um die Finger an der richtigen Stelle zu platzieren und das richtige Maß an Kraft aufzuwenden, um das Maul des Tennisball-Packmans zu öffnen.

Und das Beste daran: meiner Erfahrung nach lieben die Kinder den Tennisball-Packman!
Habt ihr es auch schon mit euren Kindern ausprobiert?

Warum dein Kind viel im Matsch spielen sollte, damit es später leichter das Schreiben lernt

Was die Schreibschrift damit zu tun hat, wenn sich ein Kind im Sand wälzt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Als Ergotherapeutin läuft jedoch gleich ein ganzer Film vor dem inneren Auge ab, wenn ich ein Kind dabei beobachte, wie es genüßlich in seinem Essen herummanscht, sich in einer Pfütze suhlt oder mit den Patschehändchen beherzt in den Gatsch greift.

Weiß ich doch, was in diesen Momenten neurophysiologisch in unseren Kleinen abläuft. Spielt ein Kind salopp gesagt viel im und mit Dreck, trainiert es damit massiv seinen Spürsinn. Über die Haut werden verschiedenste Qualitäten von Reizen wahrgenommen, und das Gehirn teilt diese in entsprechende Kategorien ein: weich, rauh, hart, kitzelnd, flauschig und so weiter. Außerdem lernt das Kind seine Körpergrenzen zu spüren – über die Haut erfährt es sozusagen, wo es selbst aufhört und die Umgebung anfängt.

Da das Kind aktiv mit Sand, Matsch, Schaum und Fingerfarben spielt, kommt neben diesem Oberflächenspürsinn auch noch die sogenannte Tiefenwahrnehmung zum Tragen. Wenn das Kind über die Wiese robbt, an den Grasbüscheln reißt und in der Erde wühlt, lernt es etwas darüber, wieviel Kraft es dafür braucht, wieviel Widerstand die Erde bietet und welche Bewegungen es zum Ziel führen.

Die Mischung aus Spürreizen, die über die Haut wahrgenommen werden, und Reizen, die dem Gehirn über Muskeln und Gelenke gemeldet werden, bedient gemeinsam das sogenannte taktil-propriozeptive System. Dieses ist einerseits dafür zuständig, das ein Kind ein realistisches Körperschema entwickelt, das heißt: es „spürt“ sich gut, weiß wo welcher Körperteil ist und schätzt die Größenverhältnisse und Positionen letzterer richtig ein. Je nachdem, welche Reize das Gehirn „geliefert“ bekommt, ordnet es diese ein, greift auf Erfahrungen zurück, gleicht die neuen mit den alten Informationen ab und befiehlt den Muskeln eine bestimmte Bewegung. Je geübter das taktil-propriozeptive System ist, desto besser passt diese Bewegung zur tatsächlichen Situation. Das heißt es wird genau die richtige Kraft eingesetzt, die Bewegung ist weder überschießend noch zu zaghaft und das Kind erreicht, was es vorhatte: die Handlung führt also zum Ziel und das Kind hat ein Erfolgserlebnis.
Speziell die Hände werden durch eine gut funktionierende taktil-propriozeptive Reizverarbeitung zu unserem wichtigsten Werkzeug ausgebildet, auf das wir uns jederzeit verlassen können. Und die Königsdisziplin der Feinmotorik ist die Handschrift. Denn diese ist aus sensomotorischer Sicht tatsächlich eine sehr komplexe Angelegenheit.

Erwischt ihr euer Kind also das nächste Mal dabei, wie es völlig verschlammt vom Spielplatz kommt, sich im Garten auf die sumpfigste Stelle stürzt, sich das Kartoffelpüree überall am Körper verteilt nur nicht in den Mund hinein, mit Freude eure teuren Lippenstifte und Cremes zum Bodypainting benutzt oder mit Papas Rasierschaum eure Terrassentür verschönert, versucht es positiv zu sehen: es lernt gerade was fürs Leben. Und je mehr ein Kind diese Erfahrungen machen kann, desto leichter entwickelt sich die Fein- und damit später auch die Schreibmotorik.

Warum Kluppen in keiner Spielzeugkiste fehlen sollten ODER Was geht eigentlich im Hirn einer Ergotherapeutin vor?

Wäscheklammern – oder liebevoll-österreichisch: Klupperl – tauchen eigentlich täglich in meinen Therapieeinheiten auf. Egal ob auf der Schaukel (um die Segel am Piratenschiff zu befestigen), auf der Sprossenwand (wo regelmäßig gefangene Fische, geborgene Schätze oder gesammelte Bildchen aufgehängt werden), als kleine Zange (mit der man z.B. glitschige Springfrösche oder „giftige“ Murmeln über einen Parcours transportieren kann) oder beim Basteln (z.B. als aufgesteckte Strahlen einer Sonne oder Stacheln eines Igels).

In der Ergotherapie sieht es ja oft so aus, als würden wir „einfach nur spielen“. Genauso kann man die Klupperl als etwas sehen, das halt Spaß macht und womit sich wunderbar spielen lässt.

Allerdings überlege ich mir als Ergotherapeutin schon genau, warum ich bei welchem Kind in welcher Situation Wäscheklammern mit ins Therapiespiel einbinde. Ein Kind mit schwacher Muskelspannung trainiert die Fingerkraft. Hat ein Kind Schwierigkeiten mit der adäquaten Stifthaltung und mit der Feinmotorik, wird mithilfe der Kluppe die isolierte Fingerbeweglichkeit und der Spitz- bzw. Schlüsselgriff geübt. Etwas mit einer Wäscheklammer aufzuhängen erfordert die Koordination beider Hände, unterstützt also Kinder mit Schwierigkeiten in der Händigkeitsentwicklung bzw. der Aufeinanderabstimmung der zwei Körperhälften. Benutzt ein Kind regelmäßig zuviel oder zuwenig Kraft, trainiert es anhand von verschieden starken Klammern seine Kraftdosierung. Das Aufstecken einer Wäscheklammer erfordert das genaue Hinsehen, ist also auch etwas für ein Kind, das visuell leicht abgelenkt ist oder Schwierigkeiten hat, mit den Augen zu verfolgen, was seine Hände gerade tun (was man z.B. im Alltag daran merkt, dass ein Kind eventuell beim Schreiben nicht in der Zeile bleibt). Um etwas mit einem Klupperl aufzuhängen, muss ein Kind kognitiv bzw. räumlich-visuell in der Lage sein, das Klupperl und das aufzuhängende Objekt in die richtige Position zu bringen. Ein Kind mit einer Körperwahrnehmungsschwäche muss die Bewegung planen, spüren, ob „es passt“ oder ob es etwas an seinem Bewegungsplan ändern muss, und die taktil-kinästhetischen Informationen der Handlung verarbeiten, um sie idealerweise beim nächsten Mal wieder abrufen zu können.

Je nachdem, worum es mir gerade geht, gestalte ich die Situation dem Kind entsprechend anders – helfe in manchen Bereichen mehr, in manchen weniger, greife an bestimmten Punkten ein oder eben nicht. Und beim nächsten Kind steht dann wieder ein anderer Aspekt im Mittelpunkt – und unter Umständen reagiere ich an bestimmten Stellen im Spiel ganz anders als beim Kind zuvor, „kitzle“ was anderes aus dem Kind heraus, obwohl die Aktivität an sich dieselbe ist.

Tatächlich kann es aber auch mal passieren, dass man die Kluppen „einfach nur so“ gibt, weil sie sich gerade schön in das Spiel einfügen – der therapeutische Fokus aber gerade auf ganz etwas anderem liegt als auf der Wäscheklammer.

Das heißt es ist für Aussenstehende gar nicht so einfach zu erkennen, was in meinem Ergotherapeutinnen-Hirn so vor sich geht, wenn ich einem Kind Wäscheklammern (oder auch sonstige Objekte) in die Hand gebe. Denn wahrscheinlich rattert es da drin grad gewaltig – während es für euch einfach so aussieht, als gäbe ich dem Kind halt eine Wäscheklammer und fertig.

Natürlich müsst ihr als Eltern auch gar nicht so genau wissen, für welche Fähigkeiten und Fertigkeiten ihr die Wäscheklammern einsetzen könnt. Es reicht zu wissen: Wäscheklammern sind eine großartige Sache für eure Kinder 🙂

So unterstützt du die Entwicklung der Händigkeit bei deinem Kind von Anfang an

An sich bin ich als Ergotherapeutin sensibilisiert auf das Thema Händigkeit, und in meinem Berufsalltag ist es mir bereits in Fleisch und Blut übergegangen, auf eine Seitenpräferenz bei Kindern zu achten.

Unser Kleiner ist noch nicht einmal ganz ein Jahr alt und somit weit davon entfernt, eine klare Händigkeit zu zeigen. Aber ich ertappe mich ab und zu dabei, dass ein gewisser Umgang, der für mich als Ergotherapeutin ganz selbstverständlich ist, für mich als „normale Mama“ im nicht-therapeutischen Alltag gar nicht so einfach umsetzbar ist.

Obwohl ich also in dem Bereich geschult bin, passiert es mir immer wieder, dass ich unwillkürlich Einfluss nehme auf die Händigkeit meines Babys. Einerseits sollte man sich nicht so einen Kopf machen, denn ein sensomotorisch normal entwickeltes Kind wird sich nicht so schnell „umpolen“ lassen, und da macht es keinen Sinn, wenn man sich über jeden Handgriff Gedanken macht und darüber ganz den natürlichen Umgang mit seinem Kind verliert.

Dennoch habe ich andererseits in der Praxis oft mit Kindern zu tun, die insgesamt ein bisserl „patschert“ sind – und sehr häufig wirkt sich das auch auf die Entwicklung der Händigkeit aus, insoferne, dass z.B. manch 5-Jähriger immer noch unentschlossen ist, ob er nun Rechts- oder Linkshänder ist. Oft geht es hier in Wirklichkeit nicht mehr darum, mit welcher Hand das Kind geschickter schreibt, schneidet oder isst, sondern eher darum, welche der beiden Hände die weniger ungeschickte ist… Manche Eltern denken in so einem Fall, dass ihr Kind beidhändig sei. Eine echte Beidhändigkeit, bei der beide Seiten gleich geschickt sind, ist jedoch sehr, sehr selten. Meistens steckt hinter so einer „Beidhändigkeit“ doch eine Schwäche in der Lateralitätsentwicklung.

Solche Kinder lassen sich in ihrer Entwicklung natürlich auch unbewusst beeinflussen – denn wenn ich selbst nicht recht spüre, welche Hand ich besser verwenden soll, orientiere ich mich umso mehr an meiner Umgebung und meinen Vorbildern. Und so kann es sein, dass sich in einem Kind, das auf den ersten Blick häufiger die rechte Hand benutzt, ein unabsichtlich umgelernter Linkshänder verbirgt.

Wie wir unwillkürlich Einfluss auf die Händigkeit unserer Kinder nehmen? Wenn wir selbst Linkshänder sind, tendieren wir dazu, z.B. ganz automatisch den Trinkbecher auf die linke Seite des Kindes zu stellen. Dem Kind den Löffel, die Zahnbürste oder die Wachskreide in die linke Hand zu drücken. Spielsachen eher links vom Kind anzubieten. Und nach der linken Seite zu greifen, wenn wir die Hand des Kindes führen, um ihm zu zeigen, wie es z.B. einen Verschluss auf- oder zumacht, Knöpfe bedient oder Seiten umblättert. Natürlich – für uns macht das ja Sinn, da wir uns logischerweise mit unserer dominanten Seite als Arbeitshand um einiges leichter tun.

Idealerweise bietest du also von Anfang an deinem Baby Gegenstände von der Mitte aus an. Der Trinkbecher und der Löffel kommen also direkt mittig vor das Kind. Bzw. versuche, beide Seiten gleichwertig mit einzubeziehen. Das Spielzeug mal rechts, mal links hinlegen. Abwarten, mit welcher Hand das Kind spontan hingreift, und ihm dann mit dieser Hand helfen.

Übrigens ist es ganz normal, dass kleine Kinder oft zwischen beiden Händen hin und her wechseln. Sie müssen ja erst für sich herausfinden, welche Hand für welche Tätigkeit am besten geeignet ist. Indem du dem Kind viele Tätigkeiten anbietest, für die es beide Hände braucht (auffädeln, Verschlüsse öffnen, Dinge zusammenstecken, etwas einhämmern, etwas aus einem Gefäß holen, etwas zerreißen, etc.) unterstützt du dein Kind dabei, mit Arbeits- bzw. Haltehand zu experimentieren.

Sogenannte Kreuzkoordinationsbewegungen sind ebenfalls wichtig für die Entwicklung der Händigkeit. Dazu zählen z.B. das Krabbeln (womit sich unsere kleine Rübe übrigens noch schwer tut), Klettern, Laufen mit gegengleichem Armpendel, Seilziehen, alles „Aerobic-Artige“, bei dem Arme und/oder Beine über Kreuz bewegt werden, und jede Bewegung, bei der mit einer Hand auf die andere Körperseite hinübergegriffen wird, um z.B. mit der rechten Hand etwas von links zu holen.

Übrigens ist es gar nicht so selten, dass die Seitenpräferenz später nicht komplett unilateral ist. Es kann also durchaus sein, dass jemand, der Rechtshänder ist, geschickter mit dem linken Bein Fußball spielt. Es kommt vor, dass jemand grobmotorisch rechtshändig ist (z.B. beim Werfen), feinmotorisch aber mit der linken Hand besser dran ist. Letztendlich ist das nicht so wesentlich. Ein Problem kann dann entstehen, wenn innerhalb derselben Aktivität die Seite gewechselt wird – d.h. mal wirft das Kind rechts, mal links, mal schreibt es rechts, mal links,… denn so wird die Ausführung „umständlich“ und das Kind entwickelt weder auf der einen noch der anderen Seite Sicherheit in der Bewegung. Schneidet es jedoch geschickt (und ausschließlich) mit der rechten Hand, obwohl es sonst Linkshänder ist, kann man es auch durchaus dabei belassen.

Ist ein Kind im Jahr vor der Schule noch unentschlossen, sollte jedenfalls ein Händigkeitsscreening gemacht werden, damit das Kind zu Schulbeginn eine klare Schreibhand hat. Ob man Kinder, die sich zu einem späteren Zeitpunkt als „Umgelernte“ herausstellen, wieder „zurücklernen“ lassen soll, darüber scheiden sich die Geister. Meiner Meinung nach ist dies in jedem individuellen Fall und je nach Leidensdruck zu entscheiden.

Wie ist das bei euren Kindern? Wann wart ihr euch das erste Mal sicher, dass euer Kind ein Rechts- oder eine Linkshänderin sind?